| "In China fehlt das Risikokapital für die frühe Phase" - Interview mit Raymond Lei Yang und Sebastian Kübler, Founding Partner von Taishan Invest
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Eine Gesellschaft, zwei Brückenköpfe: Der chinesische Early Stage-Finanzier Taishan Invest ermöglicht westlichen Investoren den Zugang nach China und dortigen Start-ups die Globalisierung und Zugang zu Know-how. Im Interview erklären Sebastian Kübler, der das Konzept von Mountain Partners exportiert hat, sowie Business Angel Raymond Lei Yang, welche Unterschiede es in der frühen Phase zwischen den Kontinenten gibt.
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VC Magazin: Gibt es Unterschiede zwischen
Entrepreneuren in China und in Deutschland?
Kübler: Chinesische Gründer sind deutlich hungriger und aggressiver,
deutsche Gründer sind aber professioneller beim Auftreten, weil sie oft von
etablierten Business Schools oder aus der Unternehmensberatung stammen.
Yang: Es gibt in China extrem viele Menschen, die sehr unternehmerisch
denken und der chinesische Bill Gates werden wollen. Sie arbeiten sehr hart, um
reich und erfolgreich zu sein. Auf der anderen Seite fehlt das Risikokapital
für die frühe Phase, es gibt bisher nur eine Handvoll aktiver Business Angel
wie in Europa oder den USA – Wachstums- und Pre-IPO-Finanzierungen sind besser
aufgestellt. Dazu kommt, dass der überwiegende Teil der VC-Investoren aus dem
Investment Banking kommt. Ihnen fehlt oftmals das unternehmerische Verständnis
für die frühe Phase.
VC Magazin: Die hiesigen Venture Capital-Investoren habe ihre Lektionen
nach dem Platzen der Internetblase auf die harte Tour gelernt. Sind die
chinesischen Investoren in ihrer jungen Geschichte durch ein ähnliches
Fegefeuer gegangen?
Yang: Auch sie mussten 2001 ihre Bewährungsprobe ablegen. Die wenigen
Investoren, die es damals gab, haben aber alle überlebt. Derzeit stehen sie
wieder vor großen Herausforderungen, haben aber zumeist noch Kapital zum
investieren. Sie müssen jetzt zeigen, wie sie ihre finanzierten Unternehmen
erfolgreich durch die Wirtschaftskrise manövrieren und gleichzeitig neue
Shooting-Stars aus der Vielzahl der Startups auswählen können.
Kübler: China ist weiterhin ein interessanter Wachstumsmarkt, zudem ist
die Burn-Rate der Unternehmen niedriger und die Überlebenschancen somit höher.
Es gibt aber auch ausreichend „Stupid Money“, an Geld fehlt es in China nicht,
sondern an Smart Money und aktiven Business Angels.
VC Magazin: Wie kommt eine Unternehmensbewertung zustande, und auf
welche Aspekte legen chinesische Investoren in Verträgen wert?
Yang: Bei der Unternehmensbewertung gibt es keinen Standard, es kommt
vor allem auf die Erfahrung des Investors und der Unternehmer an. Auch in China
gibt es Diskussionen um die Bewertung, zumal die gezahlten Bewertungen im
VC-Bereich recht hoch sind. Wir werden uns mit den Gründern aber immer einig,
zum Beispiel indem wir mit Meilensteinen und erfolgsabhängigen Bewertungen
arbeiten. Zudem sind den Unternehmen meist das Netzwerk und die aktive
Unterstützung wichtiger als nur das Geld.
Kübler: Es gibt kaum Unterschiede zwischen den USA, Europa und Asien.
Aus unserer Sicht dürfen Verträge nicht zu komplex sein, weil das gerade junge
Unternehmen behindert. Verträge müssen aber auch fair sein. Optionsscheine
bieten hier einen gewissen Spielraum. Anders als in Deutschland bestehen wir in
China immer auf einen Sitz im Aufsichtsrat, auf der einen Seite, um die
Unternehmen noch besser unterstützen zu können, auf der anderen Seite aber
auch, um näher an den Gründern dran zu sein. Meist übernimmt diese Rolle ein
befreundeter Business Angel von uns.
VC Magazin: Gibt es nennenswerte Unterschiede zwischen den Gründern aus
den unterschiedlichen Regionen Chinas?
Yang: Zwischen den Regionen unterscheiden sich die Charaktere auf jeden
Fall, oftmals auch zwischen den einzelnen Provinzen. Im Kern sind die Gründer
aus dem Süden sehr detailorientiert, geerdet, gehen Schritt für Schritt vor und
schätzen Transparenz. Nördliche Gründer dagegen legen einen besonderen Fokus
auf strategische Fragen.
VC Magazin: Welche Sektoren bzw. Themen sind derzeit beliebt?
Yang: Wie in Europa und den USA sind Internet, E-Commerce, Gaming und
Mobile populär. Steigendes Interesse hat in der jüngeren Vergangenheit der
Bereich erneuerbare Energien erlebt. China gilt nicht mehr nur als Werkbank der
Welt, und die Regierung unterstützt auch stark die technologische Entwicklung,
z. B. im Cleantech-Bereich. Dies eröffnet interessante Chancen. Bei einer
Bevölkerung von 1,3 Mrd. Menschen ist außerdem Healthcare ein Wachstumsmarkt,
der staatliche Aufmerksamkeit genießt.
Kübler: Spannende Bereiche in China sind zudem noch Education,
insbesondere für Kinder und Jugendliche. Aber auch der Retail- und Foodbereich
bietet noch Opportunitäten.
VC Magazin: Was hat Serial Entrepreneurs aus China und den Schweizer
Business Angel Mountain Partners zu dem Gemeinschaftsprojekt Taishan
zusammengeführt?
Kübler: In China sind Kontakte und Kapital in großer Zahl vorhanden, der
Business Angel-Markt ist aber noch sehr unterentwickelt. Als erster
institutionalisierter Business Angel in Europa haben wir eine Infrastruktur
bzw. eine Plattform für Business Angels etabliert und damit sehr gute
Erfahrungen gemacht. Die Plattform und die gesammelten Erfahrungen geben wir
gerne unseren chinesischen Partnern weiter. Für uns war es wichtig, renommierte
und sehr erfahrene Unternehmer wie Raymond Yang zu treffen und Taishan gleich
als einen der wichtigsten Namen in diesem Bereich zu etablieren.
Yang: Als ich zum ersten Mal das Team von Mountain Partners getroffen
habe, hat es gleich Klick gemacht. Wenn Unternehmer aufeinander treffen, spielt
es meiner Meinung nach keine Rolle, ob sie aus unterschiedlichen Ländern oder
Kulturen kommen. Wir teilen gleiche Ansichten und glauben sowohl an Business
Angels und Wachstumsregionen für die nächsten Jahrzehnte als auch einen
Transfer von Know-how, Kapital und Idee.
VC Magazin: Das Team hinter Taishan stammt aus dem Internetumfeld. Liegt
darauf auch der Investmentfokus?
Yang: Die führenden Köpfe stammen zwar aus dem Bereich, aber wir
verstehen uns als umfassende Plattform für Business Angel-Investments. Einige
unserer Partner haben schon in sehr traditionelle Geschäftsmodelle wie
Restaurants oder Produktionskonzerne investiert.
Kübler: Wir investieren bevorzugt in Unternehmen, denen wir mit unserer
Expertise weiterhelfen können und bei denen bereits 500.000 Euro ausreichen, um
einen großen Wachstumshebel zu erzielen. Der Sektor ist dann zweitrangig,
Schwerpunkt sind aber sicherlich die eben genannten Wachstumsbereiche.
VC Magazin: Sie befinden sich noch im Fundraising. Von wem soll wie viel
Geld eingesammelt werden?
Kübler: Wir zielen nicht auf die ganz großen Summen ab, da wir sonst in
typische VC-Regionen vorstoßen. Wir streben zwischen 20 und 40 Mio. CHF an, die
von Geldgebern aus Europa, Arabien und Asien stammen. Was ganz wichtig ist: Die
Investoren sollten Interesse an bzw. eine Verbindung zu China haben, entweder
als Privatperson oder aber auch als strategischer Investor, für den wir vor Ort
in China agieren. Mit dem Shanghai-Pudong Software Park, einem staatlichen
Inkubator, beteiligt sich auch die öffentliche Hand. Außerdem haben wir als
Management eigene Mittel in deutlichem Umfang investiert.
VC Magazin: Was ist von Ihnen in den kommenden Monaten zu erwarten?
Kübler: In diesem Jahr liegt der Fokus noch auf dem Fundraising.
Innerhalb von drei bis vier Jahren wollen wir zwischen 50 und 100 Start-ups
finanzieren.
Yang: Wir haben uns in kurzer Zeit schon einen respektablen Status
aufgebaut. Viele Gründer kommen auf uns zu, und der Dealflow ist bemerkenswert
hoch. Außerdem reichen VC-Investoren Anfragen an uns weiter, wenn ihnen das
Unternehmen noch nicht reif genug ist. Unser Ziel ist, Taishan als erster
Ansprechpartner für Business Angel-Investments auf der Brücke zwischen Europa
und China zu etablieren.
VC Magazin: Herzlichen Dank für das Interview.
torsten.passmann (at) vc-magazin.de
Über die Gesprächspartner
Raymond Lei Yang hat in den USA und China verschiedene Unternehmen gegründet
und ist später als Business Angel auf die Investorenseite gewechselt. Sebastian
Kübler hat ebenfalls eine Internetfirma gegründet und für verschiedene deutsche
Konzerne in Asien gearbeitet. Seit 2006 ist er für Mountain Partners tätig. Die
beiden sind Gründungspartner von Taishan Invest, einem der sechs
Investmentvehikel von Mountain Partners, einem institutionalisierten Business
Angel aus der Schweiz.
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